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Rotwild
Allgemeines: Die bedeutendste Wildart ist das Rotwild. Die majestätischen Hirsche sind seit Jahrhunderten das Sinnbild für die Jagd schlechthin.
Kein Wunder - sind sie doch die größte heimische Wildart. Rotwild
hat ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Normalerweise lebt das Kahlwild in separierten Rudeln
zusammen, Platzhirsche sind ausgesprochener Einzelgänger.
Allerdings gibt es auch Hirschrudeln, die sich jedoch
spätestens zur Brunftzeit auflösen.
Nur die männlichen Tiere, die Hirsche, haben ein Geweih,
das sie im Frühjahr abwerfen. Bis zum Oktober entwickelt sich dann
das neue Geweih, das in den ersten kalten Herbsttagen für die Brunftkämpfe
gebraucht wird. Das Rotwild braucht großflächige Lebensräume, in
denen es sich zurückziehen kann. Früher war das Rotwild ein typisches
Steppentier, wir Menschen haben es aber im Lauf der Jahrhunderte
in den schützenden Wald gedrängt. Darin liegt auch ein Hauptproblem
des Rotwildes: Durch den Straßenbau und verschiedene Formen intensiver
Landnutzung wird der Lebensraum des Rotwildes immer kleiner. Wir
Jäger kämpfen dafür, dass diese Entwicklung gestoppt wird, damit
der "König der Wälder" uns noch lange erhalten bleibt.
Haarwechsel:
Der Haarwechsel erfolgt zweimal im Jahr, im Frühling und
im Herbst. Das Sommerhaar ist relativ kurz und rotbraun (daher der Name
Rotwild!). Das längere Winterhaar ist grau/graubraun. Die Unterseite
des Rumpfes ist im Winter bei männlichen Tieren (Hirsche) weitgehend
schwarz, bei weiblichen Tieren (Kühe) weisslich. Kälber tragen
zunächst weisse Tarnflecken, die mit dem ersten Haarwechsel verschwinden.
Die ausgeprägte Brunftmähne der Hirsche bildet sich nur im Winterhaar.
Das Geweih:
Normalerweise sind gegen Ende des ersten Lebensjahres eines Rothirsches
die Rosenstöcke voll entwickelt und heben sich deutlich sichtbar von
den Stirnbeinen ab. Dem mittlerweile vom Hirschkalb zum Schmalspiesser
gewordenen Hirsch, wächst jetzt sein erstes Geweih, das in der Regel
im September gefegt wird. (Ältere Hirsche im Juni/Juli). Bei der ganz
überwiegenden Zahl der Hirsche bilden zwei Spiesse das erste Geweih,
die je nach Kondition und Konstitution des Hirsches zwischen stummelartigen
Fortsätzen und 50 bis 60 cm langen Spiessen variieren können.
In Ausnahmefällen können Jährlinge auch ein Augsprossen-,
Hochgablergeweih oder Sechsergeweih tragen. im Unterschied zu den folgenden
Geweihstufen fehlen den Erstlingsspiessern die Rosen.

Abwurf:
Schmalspiesser und andere junge Hirsche werfen bis in den April/ Mai
hinein ihr Geweih ab, ältere Hirsche hingegen bereits im März/April.Je
älter desto früher. Knochenfressende Zellen bewirken, wie bei
allen Cerviden, am oberen Ende der Rosenstöcke den Geweihabwurf. Die
Rosenstöcke geben einen wichtigen Aufschluss auf das Alter. Sie sind
bei jungen Hirschen relativ lang und dünn und werden mit zunehmendem
Alter kürzer und nehmen im Durchmesser zu. Zwei von einem Hirsch stammenden
Abwurfstangen (Abwürfe) nennt man Passstangen. Ist die Abwurfsfläche
an der Basis nach aussen gewölbt, stammen die Abwürfe in der
Regel von einem jüngeren Hirsch. Bei älteren Hirschen ist die
Basis eben oder gar konkav.
Aufbau:
Sofort nach dem Abwurf beginnt das Schieben. Das neue Geweih ist während
dem Aufbau weich und mit einer mäusefellartigen Nährhaut überzogen.
Diese Haut nennt man Bast. Via Blutbahn werden hiermit die Knochensubstanzen
für den Aufbau zugeführt. Dadurch entstehen die gerillten Furchen
längs der Stangen. Der ganze Aufbau dauert ca. 4 Monate. Man bedenke,
dass bei einem starken Hirsch der tägliche Wachstum bis 1 cm
beträgt!
Als Abnormalität gelten u. a. der geweihlose Hirsch
(Mönch, Plattkopf), der Perückenhirsch, bei dem eine Geweihwucherung
infolge hormoneller Störung stattfindet, und der seltene Doppelkopf,
bei dem die alte Stange nicht rechtzeitig abgeworfen wird und sich eine
neue "Kolbenstange" um die alte Stange bildet. Bei der Doppelkopfbildung,
die überwiegend bei jüngeren Hirschen beobachtet wird, sitzen
also Geweihe unterschiedlicher Jahrgänge gleichzeitig auf demselben
Rosenstock.
Gebiss:
Das Gebiss besteht aus:
6 Schneidezähne (Incisivi), die, wie bei
allen Wiederkäuern, im Oberkiefer fehlen,
4 Eckzähne (Canini), die im Unterkiefer eine Schneidezahnfunktion
erfüllen und im Oberkiefer als nicht genutzte Grandeln zu finden sind,
12 Vorbackenzähne (Prämolare),
12 Backenzähne (Molare)
Die Zahnformel lautet:
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Schneidezähne, Eckzähne (auch Grandeln) und Prämolare
werden gewechselt, sind zunächst also als Milchzähne vorhanden.
Der Zahnwechsel ist nach etwa 28 Monaten beendet. Bis zu
diesem Zeitpunkt ist eine Alterseinschätzung anhand des Zahnwechsels
möglich. Später ist man auf Schätzungen anhand des Abschliffes
der Backenzähne oder anderer Methoden angewiesen.
Geschlechts- und Alterskennzeichen:
Hirsche: tragen ein sehr ausgeprägtes Geweih, welches nach
rund 200 Tagen Aufbauzeit voll entwickelt ist. Dieses Geweih wird im Winter
abgeworfen und auf den Ansätzen, den Rosenstöcken bilden sich
jedes Jahr ein neues Geweih, wobei die Form des einzelnen Hirsches mit
wenigen Abweichungen immer diesselbe ist. Die Enden am Geweih sagen nichts
über das Alter des Hirsches aus, wohl aber die Rosenstöcke, welche
jedes jahr immer kürzer und im Durchmesser grösser werden.
Hirsche werden höchstens 20 Jahre alt.
Tiere: besitzen ein langes Haupt ohne Geweih und lang
wirkende Lauscher. Schmaltiere erkennt man am kürzeren Haupt und an
der geringeren Stärke.
Kälber: Unterschiede zwischen Hirschkalb und Wildkalb
gibt es fast nicht, mit Ausnahme des Nässens. Hirschkälber sind
im Winterhaar am Hals und Bauch etwas dunkler gefärbt.
An der Statur des Hirsches kann man die Hirsche grob in drei
Klassen einteilen:
6. Jägersprache:
Hirsch: |
männliches Tier |
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Gelttier: |
Tier ohne Kalb |
Tier: |
weibliches Tier |
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Röhren, Orgeln: |
Brunftschrei des Hirsches |
Hirschkalb: |
männliches Kalb |
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Suhle: |
Schlammbad |
Wildkalb: |
weibliches Kalb |
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Einstand: |
bevorzugtes Aufenthaltsort |
Schmaltier: |
1 - 2 jähriges Tier |
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Setzen: |
gebären |
Schmalspiesser: |
1 - 2 jähriger Hirsch |
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Färben: |
Haarwechsel |
Kahlwild: |
Rudel ohne Hirsche |
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Nässen: |
Wasser Lassen |
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